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Wie ich zum Feminismus kam

TV-Seminar vor zwei Jahren. Wir sollen einen Beitrag über Feminismus drehen. Ich quatsche meine Sitznachbarin an: „Schwieriges Thema. Ich weiß nicht einmal, ob ich mich selbst als Feministin bezeichnen würde.“ Sie: große Augen. „Sorry – aber jeder Mensch, der sich nicht als Feminist*in bezeichnet, ist einfach nur ein komplettes Arschloch!“ Ich: große Augen. Sie weiter im Text: „Wie kann man denn bitte nicht für Gleichberechtigung sein?“ Ich: „Das bin ich schon. Nur gendern die nicht alle? Ich finde das voll unnötig.“ Keine Ahnung, was sie darauf geantwortet hat. Auf mich losgegangen ist sie deswegen jedenfalls nicht. Leider. Oder vielleicht auch gut so. Sonst wäre die Teamarbeit wohl ordentlich den Bach runtergegangen. 

Das Thema steht fest: Wir machen einen Fernsehbeitrag über Paragraph 219a. Dieses Gesetz verbot Frauenärzt*innen öffentlich bekannt zu geben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Wir beginnen zu recherchieren. Meine größte Erkenntnis: Frauen* werden in viel mehr Bereichen diskriminiert, als ich dachte. In meinem Kopf fährt ein Film ab. Alle Situationen, in denen ich wegen meines Geschlechts diskriminiert wurde, werden wach: Ich sehe meinen Lehrer, wie er nach „zwei, drei starken Männern“ fragt, die „mal eben beim Tragen helfen können“. Ich höre mich selbst, wie ich mich dafür entschuldige zu laut zu lachen. Ich merke, wie meine Anwesenheit gekonnt ignoriert wird, sobald es um Technik geht – obwohl ich mitreden kann. Das sorgt für ein unwohles Gefühl.

Was mir hilft, ist der Austausch mit meiner „Arschloch“-Sitznachbarin. Wir reden schon lange nicht mehr nur noch über das Film-Projekt. Es geht plötzlich um viel mehr. Ich lerne viel von ihr. Bis dahin ist mir gar nicht bewusst, wie viel es noch zu tun gibt. Mein Kampfgeist ist geweckt. Ich beschäftige mich immer mehr mit dem Thema und der Frage: „Gendern die nicht alle?“ – Ja verdammt! Und jetzt weiß ich auch wieso. Es werden eben nicht „aTomAtiScH aLle GeSchLEchTer miTGedAcHt“. Die Hälfte der Bevölkerung wird sprachlich komplett vergessen (was zum Beispiel Auswirkungen auf das Selbstvertrauen von Kindern hat). Und ich hab’s satt immer nur mitgemeint, aber nicht mitgesagt zu werden. Mir steht’s bis oben, meiner „Arschloch“-Freundin auch. Mir wird klar: Ich bin sehr wohl eine Feministin. Und ihr, dass ich doch kein komplettes Arschloch bin.

Journalistin (B.A.)

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